Rechnungswesen & Finanzen · Prüfungsrelevant

Dynamische Investitionsrechnung –
Kapitalwert, Annuität & interner Zinsfuß

Anders als die statische Investitionsrechnung berücksichtigt die dynamische Investitionsrechnung den Zeitwert des Geldes über die gesamte Nutzungsdauer. Die drei Klassiker in der Wirtschaftsfachwirt-Prüfung: Kapitalwertmethode, Annuitätenmethode und interner Zinsfuß – alle drei bauen auf Auf- und Abzinsung auf.

✓ Kapitalwertmethode ✓ Annuitätenmethode ✓ Interner Zinsfuß (Interpolation) ✓ Formel als Bruch dargestellt

Statisch vs. dynamisch – und die drei Verfahren im Überblick

Statische Verfahren (Kostenvergleich, Gewinnvergleich, Rentabilitätsvergleich) rechnen mit Durchschnittswerten eines Jahres. Die dynamische Investitionsrechnung bezieht dagegen alle Zahlungen über die komplette Nutzungsdauer ein und zinst sie auf einen gemeinsamen Zeitpunkt ab oder auf – meist auf heute (Barwert).

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Kapitalwertmethode

Barwert aller Rückflüsse minus Anschaffungsauszahlung. Ist der Kapitalwert ≥ 0, lohnt sich die Investition.

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Annuitätenmethode

Verteilt den Kapitalwert gleichmäßig auf jedes Jahr der Nutzungsdauer – die Annuität muss ≥ 0 sein.

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Interner Zinsfuß

Der Zinssatz, bei dem der Kapitalwert genau 0 ist. Näherungsweise über lineare Interpolation ermittelt.

Kapitalwertmethode

Bei konstanten jährlichen Einzahlungsüberschüssen R lässt sich der Barwert der Rückflüsse über den Rentenbarwertfaktor (RBF) berechnen.

Schritt 1: Rentenbarwertfaktor berechnen

RBF = (1 + i)n − 1i · (1 + i)n

Schritt 2: Kapitalwert berechnen

C0 = R · RBF − A0

Beispielrechnung

Anschaffungsauszahlung: 60.000,00 € | Jährlicher Einzahlungsüberschuss: 15.000,00 € | Kalkulationszinssatz: 6 % p. a. | Nutzungsdauer: 6 Jahre

1
Rentenbarwertfaktor berechnen

[(1,06)⁶ − 1] ÷ [0,06 × (1,06)⁶] = 4,9173

2
Barwert der Rückflüsse berechnen

15.000,00 € × 4,9173 = 73.759,86 €

3
Kapitalwert berechnen

73.759,86 € − 60.000,00 € = 13.759,86 €

Da der Kapitalwert positiv ist, ist die Investition vorteilhaft – sie erwirtschaftet mehr als die geforderten 6 % Verzinsung.

Annuitätenmethode

Die Annuitätenmethode verteilt ein Investitionskapital über den Kapitalwiedergewinnungsfaktor gleichmäßig auf die Nutzungsdauer – anschaulich z. B. bei der Finanzierung einer Maschine in gleichbleibenden Jahresraten.

A = K0 · i · (1 + i)n(1 + i)n − 1 → Kapitalwiedergewinnungsfaktor (WGF)

Beispielrechnung

Kapitalbetrag: 75.000,00 € (z. B. Maschinenkauf) | Zinssatz: 5 % p. a. | Laufzeit: 5 Jahre

1
Kapitalwiedergewinnungsfaktor berechnen

[0,05 × (1,05)⁵] ÷ [(1,05)⁵ − 1] = 0,230975

2
Annuität berechnen

75.000,00 € × 0,230975 = 17.323,11 €

Fazit: Die Maschine wird über 5 Jahre in gleichbleibenden Raten von 17.323,11 € finanziert.

Interner Zinsfuß – lineare Interpolation

Der interne Zinsfuß ist der Kalkulationszinssatz, bei dem der Kapitalwert genau 0 beträgt. Da sich das nicht direkt nach i auflösen lässt, wird er in der Prüfung über zwei Testzinssätze angenähert.

i* ≈ i1 + C₀(i₁)C₀(i₁) − C₀(i₂) · (i2 − i1) i₁: Kapitalwert positiv · i₂: Kapitalwert negativ

Beispielrechnung

Anschaffungsauszahlung: 50.000,00 € | Jährlicher Einzahlungsüberschuss: 12.000,00 € | Nutzungsdauer: 6 Jahre

1
Kapitalwert bei i₁ = 10 % berechnen

C₀(10 %) = 2.263,13 € (positiv)

2
Kapitalwert bei i₂ = 12 % berechnen

C₀(12 %) = −663,11 € (negativ)

3
Linear interpolieren

i* ≈ 10 % + [2.263,13 € ÷ (2.263,13 € − (−663,11 €))] × 2 % = 11,5 %

Der interne Zinsfuß liegt bei rund 11,5 % – deutlich über einem üblichen Kalkulationszinssatz, die Investition ist also vorteilhaft.

Häufige Fehler in der dynamischen Investitionsrechnung

⚠️

Zinssatz nicht umrechnen

i muss als Dezimalzahl in die Formel – 6 % sind 0,06, nicht 6.

⚠️

Trial-Zinssätze falsch wählen

Bei der Interpolation muss i₁ einen positiven und i₂ einen negativen Kapitalwert liefern – sonst ist die Näherung eine Extrapolation und wird ungenau.

⚠️

Kapitalwert und Annuität verwechseln

Der Kapitalwert ist ein Betrag zum heutigen Zeitpunkt, die Annuität eine gleichbleibende Jahreszahlung – beide Entscheidungsregeln (≥ 0) gelten aber sinngemäß.

Häufige Fragen

Was gehört alles zur dynamischen Investitionsrechnung?

Die drei zentralen Verfahren sind die Kapitalwertmethode, die Annuitätenmethode und die Methode des internen Zinsfußes. Alle drei bauen auf Auf- und Abzinsung auf und berücksichtigen – anders als die statischen Verfahren – den Zeitwert des Geldes über die gesamte Nutzungsdauer.

Wie berechne ich den Kapitalwert einer Investition?

Kapitalwert C₀ = Barwert aller Einzahlungsüberschüsse − Anschaffungsauszahlung. Bei konstanten jährlichen Rückflüssen: C₀ = R · Rentenbarwertfaktor − A₀. Ist C₀ ≥ 0, ist die Investition vorteilhaft.

Was ist die Annuitätenmethode?

Die Annuitätenmethode verteilt den Kapitalwert (oder ein Investitionskapital) über den Kapitalwiedergewinnungsfaktor gleichmäßig auf die Nutzungsdauer: A = K₀ · [(1+i)ⁿ · i] ÷ [(1+i)ⁿ − 1]. Eine Investition ist vorteilhaft, wenn die Annuität ≥ 0 ist.

Wie funktioniert die lineare Interpolation beim internen Zinsfuß?

Man berechnet den Kapitalwert bei zwei Kalkulationszinssätzen i₁ (positiver Kapitalwert) und i₂ (negativer Kapitalwert) und interpoliert dazwischen: i* ≈ i₁ + [C₀(i₁) ÷ (C₀(i₁) − C₀(i₂))] · (i₂ − i₁). Das Ergebnis ist ein Näherungswert für den internen Zinsfuß.

Wie hängen Auf- und Abzinsungsfaktor zusammen?

Der Abzinsungsfaktor ist der Kehrwert des Aufzinsungsfaktors: 1 ÷ (1 + i)ⁿ. Beide Faktoren stecken in allen drei Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung.

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