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Die Vollkostenrechnung ist ein Verfahren der Kostenrechnung, bei dem alle Kosten eines Unternehmens auf Produkte, Aufträge oder Leistungen verrechnet werden. Dabei werden sowohl Einzelkosten als auch Gemeinkosten berücksichtigt.

Gerade für Wirtschaftsfachwirte ist die Vollkostenrechnung wichtig, weil sie viele Themen miteinander verbindet: Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Kostenträgerrechnung, BAB-Abrechnungsbogen und Zuschlagskalkulation.

Merksatz: Die Vollkostenrechnung fragt nicht nur, welche Kosten direkt zurechenbar sind, sondern versucht alle angefallenen Kosten auf Kostenträger zu verteilen.

Was ist die Vollkostenrechnung?

Bei der Vollkostenrechnung werden sämtliche Kosten auf die Kostenträger verteilt. Kostenträger können Produkte, Aufträge oder Dienstleistungen sein. Ziel ist es, die gesamten Kosten eines Produktes zu ermitteln.

Die Vollkostenrechnung ist besonders hilfreich, wenn langfristige Preisuntergrenzen, Kalkulationen oder Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen erstellt werden sollen.

Ablauf der Vollkostenrechnung im Überblick

1
KostenartenrechnungWelche Kosten sind entstanden? Zum Beispiel Material, Löhne, Miete oder Energie.
2
KostenstellenrechnungWo sind Gemeinkosten entstanden? Zum Beispiel Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb.
3
KostenträgerrechnungWofür sind die Kosten entstanden? Kosten werden Produkten oder Aufträgen zugerechnet.
4
KalkulationAus Einzelkosten und Zuschlägen entstehen Selbstkosten und Verkaufspreise.

Bestandteile der Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung arbeitet mit verschiedenen Kostenbegriffen. Besonders wichtig sind:

  • Einzelkosten: Kosten, die einem Produkt direkt zugerechnet werden können.
  • Gemeinkosten: Kosten, die nicht direkt einem einzelnen Produkt zugerechnet werden können.
  • Fixe Kosten: Kosten, die unabhängig von der Ausbringungsmenge entstehen.
  • Variable Kosten: Kosten, die sich mit der Produktionsmenge verändern.
Wichtig: In der Vollkostenrechnung werden sowohl fixe als auch variable Kosten berücksichtigt.

Vollkostenrechnung Beispiel

Ein Unternehmen stellt ein Produkt her. Die Kosten setzen sich wie folgt zusammen:

KostenpositionBetragErklärung
Materialeinzelkosten40,00 €Direkt zurechenbares Material
Materialgemeinkosten8,00 €Zuschlag aus der Kostenstellenrechnung
Fertigungseinzelkosten30,00 €Direkt zurechenbare Fertigungslöhne
Fertigungsgemeinkosten24,00 €Zuschlag auf Fertigungseinzelkosten
Verwaltungsgemeinkosten12,00 €Zuschlag auf Herstellkosten
Vertriebsgemeinkosten6,00 €Zuschlag auf Herstellkosten
Selbstkosten120,00 €Gesamtkosten des Produktes

Die Selbstkosten bilden später die Grundlage für die Verkaufspreiskalkulation.

Wichtige Formeln der Vollkostenrechnung

HerstellkostenMaterialkosten + Fertigungskosten
SelbstkostenHerstellkosten + Verwaltungsgemeinkosten + Vertriebsgemeinkosten
ZuschlagssatzGemeinkosten / Bezugsbasis × 100
VerkaufspreisSelbstkosten + Gewinnzuschlag + weitere Zuschläge

Vorteile der Vollkostenrechnung

  • Alle Kosten werden berücksichtigt.
  • Sie eignet sich gut für langfristige Kalkulationen.
  • Sie liefert eine vollständige Kostensicht.
  • Sie ist Grundlage für die klassische Zuschlagskalkulation.
  • Sie macht Gemeinkosten sichtbar und verrechenbar.

Kritik und Grenzen der Vollkostenrechnung

Die Vollkostenrechnung ist wichtig, hat aber auch Grenzen. Besonders kritisch ist die Verteilung fixer Gemeinkosten auf Produkte. Dadurch können Entscheidungen kurzfristig verzerrt werden.

  • Fixkosten werden auf Stückkosten verteilt, obwohl sie kurzfristig oft unverändert bleiben.
  • Bei Beschäftigungsschwankungen können die Stückkosten stark schwanken.
  • Für kurzfristige Entscheidungen ist die Teilkostenrechnung oft besser geeignet.
  • Falsche Zuschlagssätze können zu falschen Preisen führen.

Warum ist Vollkostenrechnung für Wirtschaftsfachwirte wichtig?

Die Vollkostenrechnung ist prüfungsrelevant, weil sie mehrere Rechenbereiche verbindet. Du solltest nicht nur Definitionen kennen, sondern auch Rechenschritte sicher anwenden können.

  • Kostenartenrechnung verstehen
  • Gemeinkosten über den BAB verteilen
  • Zuschlagssätze berechnen
  • Herstellkosten und Selbstkosten ermitteln
  • Vollkostenrechnung von Teilkostenrechnung unterscheiden

Übung zur Vollkostenrechnung

Wenn du eine Aufgabe zur Vollkostenrechnung lösen willst, gehe immer gleich vor:

  1. Einzelkosten direkt zurechnen.
  2. Gemeinkosten über Zuschlagssätze verteilen.
  3. Materialkosten und Fertigungskosten berechnen.
  4. Herstellkosten ermitteln.
  5. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten ergänzen.
  6. Selbstkosten berechnen.
Vollkostenrechnung nicht nur lesen, sondern üben.

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Fazit: Vollkostenrechnung verstehen statt auswendig lernen

Die Vollkostenrechnung wirkt am Anfang umfangreich, folgt aber einer klaren Logik. Wenn du verstehst, wie Einzelkosten, Gemeinkosten, Kostenstellen und Kostenträger zusammenhängen, wird das Rechnen deutlich einfacher.

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Häufige Fragen

Was ist die Vollkostenrechnung?

Die Vollkostenrechnung ist ein Verfahren, bei dem alle Kosten eines Unternehmens auf Kostenträger verrechnet werden.

Welche Kosten werden berücksichtigt?

Es werden Einzelkosten, Gemeinkosten, fixe Kosten und variable Kosten berücksichtigt.

Was ist der Unterschied zur Teilkostenrechnung?

Die Vollkostenrechnung rechnet mit allen Kosten, die Teilkostenrechnung betrachtet meist nur die variablen Kosten.

Ist Vollkostenrechnung prüfungsrelevant?

Ja, besonders in Rechnungswesen, BAB, Zuschlagskalkulation und Kosten- und Leistungsrechnung.

SW

Stefan Walz

Stefan Walz kommt aus der Praxis und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit betriebswirtschaftlichen Abläufen, Kennzahlen, Prozessoptimierung und Weiterbildung. Mit Wirtschaftsfachwirt Pro entwickelt er eine moderne Lernplattform für angehende Wirtschaftsfachwirte – mit prüfungsnahen Aufgaben, Trainern und verständlichen Erklärungen.

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